Rundwanderung am Rösterkopf
Der Rösterkopf erhebt sich mit 708 Metern als höchste Spitze im Osburger Hochwald, einem Teil des Hunsrück. Im August lockt mich dieser bewaldete Gipfel zu einer Rundwanderung: dichte Wälder, sprudelnde Quellen und ein verborgenes Hochmoor versprechen Naturgenuss pur. Bei angenehmen 25 Grad erscheint ein schattiger Waldpfad genau richtig, um der Sommerhitze zu entfliehen.
Ich habe mir den Rösterkopf-Rundwanderweg vorgenommen, einen rund 10 km langen Weg, der gut ausgeschildert ist. Er führt nahezu ausschließlich durch Wald und ist damit ideal für warme Tage. Die Höhepunkte der Tour – vom Quellgebiet der Ruwer bis zum geheimnisvollen Moor Weyrichsbruch – klingen für mich als Naturliebhaber unwiderstehlich.
Durch den schattigen Hochwald
Mein Abenteuer beginnt am Wanderparkplatz an der Kreisstraße K 75 bei Kell am See inmitten von hohen Fichten und tiefem Grün. Dort emfängt mich die Waldstille, nur durchbrochen vom Raunen des Windes in den Baumwipfeln.
Zunächst folge ich einem breiten Forstweg, der sanft ansteigt und mich tiefer in den Wald führt. Die Morgenluft ist frisch und Sonnenstrahlen tanzen stellenweise durch das Blätterdach auf den Weg. Hier unten ist es angenehm kühl, der Hochwald wirkt wie eine natürliche Klimaanlage.
Nach einigen Minuten treffe ich am Wegesrand auf einen in Stein gefassten Quellbrunnen, die Ruwerquelle. Sie ist eine von vielen Quellen am Rösterkopf. Aus einem moosbewachsenen Trog fließt klares Wasser, hier beginnt der Weg der Ruwer. Kaum zu glauben, dass dieser unscheinbare Bach es etwa 50 km weiter ins Moseltal schafft und einer ganzen Weinregion seinen Namen verleiht.
Kleines Abenteuer auf schmalem Pfad
Der Weg führt in weitem Bogen um den Berg herum. Streckenweise ist der breite Waldweg zwar eintönig, doch so kann ich umso mehr auf die Details achten. Am Wegrand blühen wilde Blumen in bunten Farbtupfern und zwischen den Farnen verströmen Kräuter einen würzigen Sommerduft.
Etwa nach zwei Dritteln der Strecke verändert sich der Charakter des Weges plötzlich. Ein schmaler Pfad zweigt links ab und lockt mich tiefer zwischen die Bäume. Der Untergrund wird weicher und von Wurzeln durchzogen. Ich muss genau hinschauen, wo der Pfad verläuft, während ich über umgestürzte Äste balanciere. Für kurze Zeit folge ich nun dem Fernwanderweg Saar-Hunsrück-Steig, der sich hier mit meinem Rundweg vereint. Dieser Abschnitt ist wilder und naturnaher gestaltet. Ein kleines Abenteuer unter dem grünen Blätterdach, das mein Wanderherz höherschlagen lässt.
Durch das Quellmoor Weyrichsbruch
Bald darauf spüre ich feuchte Kühle in der Luft. Ein Zeichen, dass ich mich dem Weyrichsbruch nähere. Vor mir liegt das Quellmoor: ein satter, moosiger Teppich, der an vielen Stellen unter Wasser steht. Ein hölzerner Bohlensteg, der Knüppeldamm, führt schmal hindurch. Vorsichtig setze ich Fuß vor Fuß auf die rutschigen Bretter, während zu beiden Seiten das Moor beginnt und kein fester Grund mehr in Sicht ist. Es ist ein atemberaubendes Gefühl, hier hinüber zu balancieren. Unter mir ein lebendiger und schwankender Untergrund.
Schlanke Moorbirken und wogende Farne säumen den Steg. Zwischen moosigen Polstern entdecke ich Wollgras, es verleiht der Szenerie etwas Märchenhaftes. Auf einem Pfosten sonnt sich ein orangefarbener Schmetterling, vielleicht ein Kaisermantel? Ich verharre einen Moment und lausche: außer dem fernen Summen einer Libelle und dem leisen Tropfen von Wasser herrscht völlige Stille. Dieser Ort strahlt eine friedvolle Magie aus.
Ausklang am Keller See
Am Ende des Steges gelange ich wieder auf festen Boden und kurz darauf schließt sich der Kreis meiner Wanderung. Es ist früher Nachmittag, die Sonne brennt mittlerweile kräftig vom Himmel. Ein Sprung ins kühle Nass des Keller Sees wäre jetzt verlockend, aber ich genönne mir stattdessen lieber ein kaltes Getränk im Café am Ufer.
Dann lasse ich meinen Wandertag mit Blick auf den glitzernden Stausee ausklingen und denke an die schöne Tour zurück. Dieser Rösterkopf-Rundweg hat genau gehalten, was er versprochen hat: schattige Pfade, lebendige Natur und ein Hochmoor als Krönung.