Gipfelglück auf dem Kahlersberg

Frühling im Nationalpark Berchtesgaden: Die Luft ist frisch, die Berge noch schneebedeckt an den Nordhängen, und die ersten Sonnenstrahlen kitzeln auf der Haut. Ich entscheide mich für eine Wanderung auf den Kahlersberg. Keine ausgetretene Touristenroute, sondern ein echter Geheimtipp für alle, die alpine Einsamkeit und grandiose Ausblicke suchen.

Start am Parkplatz Hinterbrand

Mein Tag beginnt früh am Parkplatz Hinterbrand. Die Stille am Morgen ist fast greifbar, nur das Zwitschern einiger Vögel begleitet mich auf den ersten Metern. Die breite Trasse zur Priesbergalm ist angenehm zu laufen, schlängelt sich durch grüne Wiesen und lichten Wald. Schon nach kurzer Zeit öffnet sich der Blick auf die ersten Gipfel des Nationalparks, und ich spüre die Vorfreude auf das, was noch kommen wird.

Durch den Stiergraben zum Seeleinsee

Hinter der Priesbergalm verengt sich der Weg zu einem schmalen, steinigen Pfad. Ich folge dem Stiergraben, der mich durch eine urige Schlucht führt. Immer wieder höre ich das Rauschen eines kleinen Baches und sehe, wie das Wasser über glatte Steine plätschert. Die Landschaft wird wilder, die Felsen imposanter. Nach etwa zwei Stunden erreiche ich den Seeleinsee: ein kleines, glasklares Gewässer, das sich wie ein Juwel in die Landschaft schmiegt. Hier mache ich eine kurze Pause, genieße die Stille und lasse den Blick über das Wasser schweifen.

Weiter geht es über steinige Stufen und Geröllfelder zum Hochgschirr. Dieser Sattel zwischen Kahlersberg und Lafeldkopf ist ein echter Aussichtspunkt: Nach Süden öffnet sich der Blick auf das Steinerne Meer, nach Norden ins Tal und hinunter zum Röthbachfall. Die Weite und die Einsamkeit hier oben sind atemberaubend. Ich spüre, wie die Alltagssorgen mit jedem Schritt weiter in den Hintergrund rücken.

Der Mauslochsteig

Am Hochgschirr zweigt der Mauslochsteig nach links ab. Ein blauer Farbstrich auf einem großen Felsen markiert den Einstieg. Der Steig zieht sich steil die Westflanke des Kahlersbergs hinauf, ist teilweise ausgesetzt und erfordert absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Die schwierigsten Passagen sind mit Drahtseilen gesichert, aber dennoch bleibt das Kribbeln im Bauch nicht aus. Das namensgebende Mausloch ist eine enge, ausgesetzte Stelle – ein echtes Abenteuer für jeden Bergwanderer.

Nach der Schlüsselstelle wird das Gelände wieder lieblicher. Der Weg führt über grasige Hänge, die im Frühling von ersten Blumen gesprenkelt sind. Die letzten Höhenmeter zum Gipfel sind weniger steil, aber die Orientierung wird schwieriger, da die Begehungsspuren immer undeutlicher werden. Ich folge meinem Instinkt und halte mich bergauf, bis das Gipfelkreuz in Sicht kommt.

Gipfelglück auf über 2000 Metern

Oben auf dem Kahlersberg erwartet mich ein Panorama, das mich sprachlos macht: Im Süden das Steinerne Meer, im Osten der Hochkönig mit seinem schneebedeckten Gipfel, im Westen der mächtige Watzmann. Die Luft ist klar, die Stille fast überirdisch. Ich setze mich ans Gipfelkreuz, genieße die Sonne und fühle mich für einen Moment als Teil dieser grandiosen Natur.

Nach einer ausgiebigen Rast beginne ich den Abstieg. Ich wähle denselben Weg zurück, um mich nicht zu verlaufen – bei schlechter Sicht ist die Orientierung hier oben eine echte Herausforderung. Immer wieder werfe ich einen Blick zurück, um die Route im Kopf zu behalten. Unten am Seeleinsee kehrt Ruhe ein, bevor ich durch den Stiergraben zurück zur Priesbergalm und schließlich zum Parkplatz Hinterbrand wandere.

Ein echtes Bergerlebnis

Die Wanderung auf den Kahlersberg ist ein echtes Bergerlebnis: abwechslungsreich, anspruchsvoll und absolut lohnenswert. Wer Einsamkeit, grandiose Ausblicke und alpine Herausforderungen sucht, ist hier genau richtig. Die Tour bleibt in Erinnerung – nicht nur wegen der Landschaft, sondern auch wegen des Gefühls, etwas Besonderes erlebt zu haben.