Zum Großen Beerberg im Thüringer Wald

Am Parkplatz Schmücke ist es warm, als ich mich auf den Weg zum Großen Beerberg mache. Der höchste Berg Thüringens wartet auf mich. Es herrscht eine wohltuende Stille, ich höre nur das leise Knirschen des Pfades unter meinen Schuhen, während ich in den Wald eintauche.

Auf dem Rennsteig durch den Wald

Der schmale Zubringerpfad führt mich rasch hinauf zum Rennsteig, dem historischen Höhenwanderweg auf dem Kamm des Thüringer Waldes. Das grüne Herz Deutschlands zeigt sich heute von seiner besten Seite: Die Fichten stehen dicht und sattgrün, am Wegesrand sprießen wilde Heidelbeeren und Pilze.

Ich genieße das Alleinsein auf dem breiten, beinahe ebenen Waldweg und komme zügig voran. Kaum ein anderer Mensch ist an diesem Morgen unterwegs, der Wald gehört mir fast ganz allein. Nur das Vogelzwitschern begleitet mich leise. Während meine Schritte rhythmisch auf dem weichen Boden federn, merke ich, wie ich den Alltag vergesse und in einen Zustand der Entspannung gelange.

Höchster Berg ohne Gipfel

Nach einigen sanften Anstiegen und Lichtungen erreiche ich die Plänckners Aussicht. Ich blicke auf den Großen Beerberg. Doch er präsentiert sich unscheinbar, sein Gipfel versteckt sich flach im dichten Wald. Tatsächlich darf der eigentliche Gipfel des Beerbergs gar nicht betreten werden, denn oben liegt ein seltenes Regenmoor, streng geschützt als Naturschutzgebiet. Ein Gipfelkreuz sucht man hier vergebens, stattdessen wartet am Rand des Rennsteigs eine hölzerne Aussichtsplattform auf Wanderer.

Ich steige die wenigen Stufen der Plattform empor. Von hier oben bietet sich ein weiter Panoramablick: Im Süden breiten sich dunkle Wälder wie ein endloses Meer vor mir aus. In der Ferne tauchen Hügel und Dörfer als kleine Silhouetten am Horizont auf. Die Fernsicht ist beeindruckend, der Blick reicht bis weit ins Thüringer Land. Minutenlang stehe ich staunend da und genieße die Ruhe.

Kurzer Abstecher zum Schneekopf

Weil der Beerberg selbst kein klassisches Gipfelerlebnis bietet, hänge ich einen Abstecher zum Schneekopf an, der nur einen kurzen Abstieg und Anstieg entfernt ist. Nach wenigen weiteren Minuten bergauf stehe ich oben auf dem Schneekopf. Hier erwartet mich ein echtes Gipfelpanorama: Ein Aussichtsturm und ein Gipfelkreuz markieren den kahlen Grat.

Ich steige die Wendeltreppe des Turms hinauf und genieße ich einen freien Rundumblick. Wellen von Wäldern und Hügeln reichen bis zum Horizont. Tief unten erkenne ich die Stadt Suhl in der Mittagssonne. Und gegenüber erhebt sich nun deutlich sichtbar der Große Beerberg, dessen bewaldete Kuppe als höchster Punkt aus der Landschaft hervorsticht.

Nach dem Abstieg vom Turm kehre ich in der Neuen Gehlberger Hütte direkt unterhalb des Gipfels ein. Bei einer erfrischenden Schorle lasse ich die Eindrücke Revue passieren und ruhe meine Beine aus. Danach mache ich mich auf den Rückweg.

Ein Rückweg mit grandioser Aussicht

Gut gestärkt folge ich dem Rennsteig nun in Richtung Ausgangspunkt. Doch bevor es endgültig bergab geht, nehme ich noch den kurzen Abstecher zur Teufelskanzel mit. Dieser Felssporn liegt nur ein paar Minuten abseits des Weges und bietet einen letzten spektakulären Tiefblick. Vorsichtig trete ich an die Felskante. Unter mir fällt das Land steil ab und ein kribbelndes Gefühl von Freiheit durchströmt mich, während ich die Weite Thüringens ein weiteres Mal aufsauge.

Dann ist es Zeit für den Abstieg. Während die Nachmittagssonne die Baumspitzen golden leuchten lässt, wandere ich die letzten Kilometer gemütlich bergab Richtung Schmücke. Nach gut vier Stunden und rund zwölf Kilometern spüre ich zwar etwas Müdigkeit in den Beinen, doch vor allem Zufriedenheit. Die Tour erwies sich als technisch leicht und ohne nennenswerte Schwierigkeiten – ideal, um Naturgenuss und Höhenluft zu schnuppern.