Gipfelabenteuer auf dem Fichtelberg

Ein angenehm warmer Morgen im Erzgebirge: Ich schnüre früh die Wanderstiefel und starte meine Tour in Oberwiesenthal. Der kleine Ort auf 915 m Höhe ist die höchstgelegene Stadt Deutschlands, idyllisch eingebettet im Tal zwischen Fichtelberg und dem gegenüber liegenden Keilberg in Tschechien. Schon beim Losgehen über den Marktplatz sehe ich den Gipfel hoch über mir aufragen. Die klare Morgenluft duftet nach feuchtem Gras und vom nahen Wald höre ich erste Vogelrufe. Mein Plan: allein auf den Fichtelberg wandern und die Stille der Natur genießen. Ein Solo-Abenteuer auf den höchsten Punkt Sachsens.

Während viele Besucher bequem die historische Fichtelberg-Schwebebahn nutzen, entscheide ich mich für den Weg zu Fuß. So früh am Tag begegne ich kaum einer Seele. Hinter den letzten Häusern von Oberwiesenthal führt ein schmaler Pfad in den Wald. Beschwingt tauche ich ein in den dichten Fichtenwald, der den Berg umhüllt und lasse den Alltag mit jedem Schritt weiter hinter mir.

Auf zu den Fichtelbergwiesen

Zunächst geht es gemächlich auf weichem Waldboden voran. Hohe Fichten und vereinzelt Buchen spenden angenehmen Schatten. Die Stille ist nur vom Knacken kleiner Äste unter meinen Stiefeln und dem Rauschen des Windes in den Baumwipfeln durchbrochen. Immer wieder öffnet sich der Blick und durch das Blätterdach erkenne ich, wie der Hang steiler wird. Nach etwa einer Dreiviertelstunde lichtet sich der Wald. Hier oben, nahe der natürlichen Baumgrenze, haben viele seltene Bergpflanzen ihre Heimat. Am Wegesrand leuchten wilde Blumen in Gelb und Violett.

Bald erreiche ich die Fichtelbergwiesen, welche unter Naturschutz stehen. Hier oben genieße ich das Gefühl von Freiheit: Die kniehohen Gräser wiegen sich im Sommerwind, dazwischen tanzen Schmetterlinge. Stellenweise kreuze ich einen grasgrünen Skihang. Im Winter sausen hier Skifahrer ins Tal, doch jetzt im Sommer liegt er still und verlassen da. Einige Markierungsstangen und Liftmasten erinnern daran, dass der Fichtelberg zusammen mit dem gegenüberliegenden Keilberg das bedeutendste Wintersportzentrum des Erzgebirges bildet.

Über mir spannt sich ein strahlend blauer Himmel. Je höher ich steige, desto grandioser wird die Aussicht. Hinter mir liegt Oberwiesenthal bereits als Postkartenidyll im Tal. Vor mir öffnet sich der Blick auf das Meer der Erzgebirgskämme und das böhmische Hügelland in der Ferne. Die letzten Meter des Aufstiegs führen über einen angenehm weichen Wiesenpfad. Ich spüre die Sonne im Rücken, höre das Summen von Insekten. Und dann ist es geschafft: Der Gipfel ist erreicht.

Ein überragender Rundumblick

Oben auf dem Fichtelberg empfängt mich eine Szenerie aus Bergtradition und Lebensfreude. Direkt auf dem höchsten Punkt thront das Fichtelberghaus, ein großes Berghotel mit markantem Aussichtsturm. Vor dem holzverkleideten Gebäude sitzen bereits einige Ausflügler und Motorradfahrer auf Bänken und genießen die Sonne. Ich fühle mich innerlich stolz, diesen Gipfel aus eigener Kraft erklommen zu haben.

Gleich neben dem Hotel ragt der moderne Wetterwarten-Turm in den Himmel. Ich steige die Treppen des Aussichtsturms hinauf, die paar Extra-Höhenmeter müssen einfach sein. Von oben bietet sich ein Rundumblick, der jede Mühe belohnt. Ich blicke hinunter ins böhmische Tiefland und gegenüber ins deutsche Erzgebirge. Die Wälder und Ortschaften wirken aus der Vogelperspektive wie eine Miniaturlandschaft. In der Ferne erkenne ich deutlich den Keilberg mit seinem Sendeturm auf tschechischer Seite. Richtung Norden verliert sich der Blick über wellige Hügelketten. Man sagt, an außergewöhnlich klaren Tagen könne man von hier oben sogar den Brocken im Harz ausmachen. Heute liegt zwar ein leicht dunstiger Sommerhimmel über der Landschaft, aber die Fernsicht ist dennoch beeindruckend.

Ich atme tief durch und lasse den Moment auf mich wirken. Hier oben alleine zu stehen, abseits vom Trubel, ist ein erhebendes Gefühl. In der Gipfelruhe denke ich darüber nach, wie gut es tut, einfach allein in der Natur zu sein. Keine Ablenkung, kein Smartphone, nur ich und der sommerliche Himmel.

Abstieg durch den Zechengrund

Nach einer ausgiebigen Rast auf der Sonnenterrasse des Fichtelberghauses mache ich mich am frühen Nachmittag an den Abstieg. Statt den gleichen Weg zurückzugehen, wähle ich eine Route, die als Rundweg ausgeschildert ist. Diese führt zunächst entlang des Kammwegs ein Stück Richtung Westen. Bald zweigt mein Pfad ab und schlängelt sich hinunter in einen einsamen Waldgraben namens Zechengrund. Schlagartig bin ich wieder allein mit den Bäumen. Der schmale Steig führt in Serpentinen bergab und folgt einem kleinen Gebirgsbach. Im Schatten der hohen Fichten rauscht das Wasser über moosige Steine. Über Wurzeln und Steine steige ich vorsichtig talwärts. Dieser Abschnitt des Weges ist verwunschen schön – fast so, als wandere man durch einen grünen Tunnel, begleitet vom eigenen Tritt und dem Murmeln des Bachs.

Nach etwa einer Stunde lichtet sich der Wald erneut. An einer alten Schutzhütte treffe ich auf die Landstraße, die zurück nach Oberwiesenthal führt. Ein kurzer Blick zurück: Oben am Gipfel kann ich winzig klein den Aussichtsturm erkennen, den ich vor kurzem noch bestiegen habe. Zufrieden und auch ein bisschen erschöpft überquere ich die Straße und folge dem letzten Kilometer einem Wiesenpfad zurück Richtung Ausgangspunkt.

Eine gelungene Sommerwanderung

Am späten Nachmittag erreiche ich wieder Oberwiesenthal. Während ich mich auf einer Bank ausruhe, wandern meine Blicke noch einmal nach oben zum Fichtelberg, dessen Gipfel jetzt in der milden Sonne leuchtet.

Mein persönliches Fazit: Die Wanderung auf den Fichtelberg ist absolut fantastisch. Wer Natur pur, grandiose Fernblicke und ein Stück erzgebirgische Schönheit erleben möchte, dem kann ich diese Tour nur ans Herz legen. Beim Abschied nehme ich mir fest vor, bald wiederzukommen. Vielleicht im Herbst, wenn bunte Wälder dem Fichtelberg einen ganz neuen Zauber verleihen.